Hörtipp: Ligeti & Bartok - Marmen Quartet
Für sein neues Album hat sich das Marmen Quartet drei bedeutende Werke der Streichquartett-Literatur des 20. Jahrhunderts vorgenommen. Die beiden Quartette von György Ligeti stammen aus zwei verschiedenen Schaffensperioden des Komponisten. Das erste, mit dem Untertitel „Metamorphoses nocturnes“, wurde 1953 komponiert, also noch bevor Ligeti seine Heimat verließ und in den Westen emigrierte. Es stellt den Höhepunkt seiner „ungarischen“ Periode dar, wurde vom Komponisten selbst als „virtuose Übung“ bezeichnet und zeugt nicht zuletzt vom Einfluss Béla Bartóks, insbesondere von dessen 3. und 4. Quartett.
Ligetis Zweites Quartett (1969) entstand in einer Zeit, die besonders reich an bedeutenden Tonschöpfungen ist. Vom Komponisten als Antwort auf die Werke berühmter Vorgänger wie Mozart, Beethoven oder Alban Berg betrachtet, darf es mit seiner kalkulierten Anarchie, seinen dynamischen Extremen und erhabenen Höhepunkten als ein Klassiker der Moderne bezeichnet werden. Béla Bartóks bereits genanntes 4. Quartett gilt weithin als eines seiner radikalsten. Es verlangt von seinen Interpret*innen ein Höchstmaß an technischer Fertigkeit, offenbart aber auch ein tiefes Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen der verwendeten Instrumente und entlockt diesen eine beispiellose Bandbreite an Farben.



