Hörtipp: Cantus - Lucas & Arthur Jussen
CD ade
Während die großen Stars und kleinen Lichter der Klassik-Branche weiterhin Alben veröffentlichen, verfolgen die Jussen-Brüder derzeit einen anderen Weg: „Wir hatten viele kleinere Stücke, die wir lieben“, erzählte Lucas dieses Jahr in einem Interview. „Sie gemeinsam auf eine CD zu packen, hätte konzeptuell aber nicht funktioniert.“ Statt ein typisches, einstündiges Album zu produzieren, haben die Geschwister auf EPs gesetzt, also Kurzalben mit einer Spieldauer von bis zu rund 30 Minuten. Drei davon haben die Brüder seit dem Vorjahr nach und nach auf Schallplatte und auf digitalem Weg veröffentlicht. Ob die Fans diesen neuen Kurs mögen? Das wird gerade getestet.
Wie meditieren
Nachdem die erste EP „Rêve“ Raritäten aus Frankreich huldigt und sich der abschließende Tonträger mit Griegs „Peer Gynt“ befasst, ist das Herzstück der Trilogie geistlichen Werken gewidmet: „Chant“ bringt eine Auswahl von Bach-Bearbeitungen zum Klingen sowie Orgelwerke von Johannes Brahms, arrangiert für Klavier zu vier Händen. Zum Ausklang grüßt „Pari intervallo“, eine unverkennbare Partitur des so religiösen wie breitenwirksamen Arvo Pärt. Zugegeben: Ihrer Worte entkleidet, verliert die eröffnende Bach-Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ an Spiritualität. Dafür betört hier über eine Dauer von rund 20 Minuten ein geschmeidiges, seidenzartes Klavierspiel, das dem Publikum Gemütsruhe schenkt. Ein Tonträger wie eine Meditation.



