
Bayerisches Staatsorchester | Vladimir Jurowski
Einführungsgespräch 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn
Programm
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 9 (1909/10)
„Ich sehe alles in einem so neuen Lichte, bin so in Bewegung; ich würde mich manchmal gar nicht wundern, wenn ich plötzlich einen neuen Körper an mir bemerken würde. (Wie Faust in der letzten Szene.) Ich bin lebensdurstiger als je und finde die ‚Gewohnheit des Daseins‘ süßer als je.“
(Gustav Mahler an seinen Freund und Kollegen Bruno Walter)
Die Neunte Symphonie – während deren Entstehen der Komponist die eingangs zitierten Zeilen verfasste – atmet von Anfang bis Ende die Luft der Tragödie, die von drei vorausgehenden Schicksalsschlägen befeuert wurde: dem Tod der Tochter Maria Anna, genannt „Putzi“, dem Verlust seiner Anstellung an der Wiener Hofoper sowie der Diagnose einer schwerwiegenden Herzkrankheit. Was diese Tragödie aber so bemerkenswert macht, ist, mit welcher Haltung ihr entgegengetreten wird: In seiner letzten vollendeten Symphonie, mit der er sich nach der Achten – der sogenannten „Symphonie der Tausend“ – zurück zur traditionellen Form begab, tut Mahler es keinem geringeren als Tschaikowsky gleich, der in seiner „Pathétique“ dem Tod mit starker Emotion, aber mit festem Blick begegnet.
Wie glücklich darf sich das Publikum der Meister&Kammerkonzerte schätzen, wenn es im Laufe einer Saison nicht nur beide hier genannten krönenden Abschlüsse im symphonischen Schaffen eines Gustav Mahler oder Peter Iljitsch Tschaikowsky miterleben und durchleiden darf, sondern diese auch noch in ein und derselben künstlerischen Handschrift geliefert bekommt: jener von Vladimir Jurowski. Interpretiert werden die Abschlüsse von den Klangkörpern, denen der bekennende Pazifist seit 2017 bzw. 2021 als Chefdirigent, oder – wie hier im Falle des Bayerischen Staatsorchesters – als Generalmusikdirektor vorsteht. Ein überaus würdiges Finale, das es hier anzukündigen gilt.


